Meine Erfahrungen in der Begleitgruppe

 

Ich war sehr gespannt, auf den Prozess, den die Therapie in der Begleitgruppe bei mir auslösen würde, ja, ich hatte auch ziemlich Respekt davor.

Für mich war es eine Hilfe, mit einem klaren Leitfaden unterwegs zu sein. Der abgesteckte Zeitrahmen und die wöchentlichen Aufgaben trugen dazu bei, dass ich mich in die Themen vertiefen konnte. Als Gruppe unterwegs zu sein, war bereichernd. Vier unterschiedliche Therapieteilnehmerinnen, die sich nicht kannten, das war eine gute Ausgangslage.

Aus der Gruppe kamen manchmal sehr wichtige Anstösse. Im Rückblick stelle ich fest,

dass ich während der Begleitgruppenzeit in der Beziehung zu meinem Mann vermehrt unverhältnismässig auf Situationen reagierte. Er war Gott sei Dank, geduldig mit mir und

ich bin dankbar, dass wir nun viel entspannter miteinander unterwegs sein können.

Ich möchte nun auf ein paar Erfahrungen eingehen, die zum Teil Schlüsselerlebnisse

für mich waren.

Mir bereitete es grosse Mühe den Stammbaum zu erstellen und die grosse Verwandtschaft irgendwie auf dieses Papier zu bekommen. Trotz mehrer Anläufe brachte ich nicht eine übersichtliche Darstellung zustande. In der Begleitgruppe staunte ich über meine Nachbarin, sie hatte einfach ein grosses Papierformat gewählt und ihre Familie klar und übersichtlich dargestellt. Ich musste über mich selber lachen, die Situation war tragisch und komisch zugleich. Ich erkannte, dass meine Schwierigkeiten, die Familie auf ein A4 Blatt zu bringen, einen tiefen Zusammenhang mit Erfahrungen aus meiner frühsten Kindheit hatten.

Ich wuchs mit Eltern, Grosseltern und Tanten in einem kleinen Bauernhaus auf und wir hatten tatsächlich ein Platzproblem. Dass es mir gar nicht in den Sinn gekommen war, einen grossen Bogen Papier zu nehmen, zeigte mir sehr deutlich, dass mich diese „Platzfrage“ immer noch beschäftigte. Obwohl mir genügend Papier zur Verfügung stand, verhielt ich mich nach dem alten Muster. Eine Teilnehmerin schenkte mir beim Abschlussfest ein schönes Tischset, mit der Aufforderung nicht zu vergessen, dass ich einen Platz habe den ich einnehmen und ausfüllen darf. Eine kleine, kostbare Erinnerung daran, dass ich nicht mehr eingeengt

leben muss.

Die Auseinandersetzung mit den Masken brachte eine Haltung des Versteckens und des abwartenden Beobachtens in mir zum Vorschein. Ich erschrak fast ein wenig, als ich merkte, wie stark ich mich von diesem Verhaltensmuster  noch bestimmen liess.

Im Rollenspiel konnte ich dann dieses Versteck verlassen, was mir nun auch im Alltag

besser gelingt.

Eine Übung an die ich gerne zurückdenke und die mir sehr viel offenbart hat, war die Aufgabe, unser  Idealbild zu malen. Da stand sie also vor mir, die Person die ich hätte sein wollen. Sie hatte auf einmal ein Gesicht und war nicht einfach nur ein unfassbares Etwas in meinen Gedanken und Gefühlen. Als ich dann die Person malte, die ich geworden bin, begegnete mir die Erlösung, die Jesus mit geschenkt hat, auf eine neue unmittelbare Art

und Weise.

Dabei begegnete mir auch ein noch schlummerndes Potential, das gleich Blattspitzen der Frühlingsblumen die Schneedecke durchbrechen will. Man erkennt zu diesem Zeitpunkt die Blumen ja nicht immer, aber man weiss, dass sie kommen werden und sieht im Geist schon das kräftige Rot der Tulpen und das leuchtende Gelb der Krokusse.

 

Mich anhand der Fragen zur Bedürfnispyramide damit auseinanderzusetzen, was mir als Kind gefehlt hat, war ein weiterer Puzzleteil, der mir half mich besser zu verstehen.

Es war traurig und befreiend zugleich den Mangel festzustellen und ihn zu akzeptieren.

 

Manipulation ist ein Thema, das mich bereits vor der Begleitgruppe stark beschäftigte

und mit dem ich mich eingehend auseinandergesetzt hatte. Trotzdem wurde ich nicht frei davon.

Wie erkenne ich früher, was da geschieht und wie kann ich mich anders verhalten?         

So lauteten meine Fragen. Mein Mann ermutigte mich immer wieder meine Wünsche und Bedürfnisse herauszufinden, doch ich konnte mir keinen Reim daraus machen, in welchem Zusammenhang das mit Manipulation stehen sollte.

Durch die verschiedenen Aufgaben und Lehrteile, begann ich dann diesen Zusammenhang

zu erkennen und ich übe mich nun darin, meine Wünsche und Bedürfnisse kennenzulernen.

In Konflikten finde ich mich etwas besser zurecht. Wenn Menschen augrund von erlittenem Mangel Grenzen überschreiten und überhöhte Erwartungen an mich stellen, weiss ich nun, dass es ihnen nicht weiterhilft, wenn ich versuche diese Erwartungen zu erfüllen.

Im Gegenteil, es entstehen falsche Abhängigkeiten.

Früher hatte ich in solchen Situationen ein schlechtes Gewissen, das schwingt zwar auch

jetzt noch etwas  mit, ich weiss nun aber, dass die Wurzel des Problems angepackt werden muss.

Auch ich muss meine Erwartungen immer wieder überprüfen. Sind sie realistisch, oder setze ich andere und mich damit unter Druck? Wenn ich unzufrieden bin, dann stelle ich mir nun die Frage, was erwarte ich? Ist das überhaupt realistisch? Gerade im Umgang mit unseren flügge werdenden Mädchen hilft mir diese Frage und lässt mich zu einem entspannten Umgang mit ihnen zu finden. Erwartungen zu klären und Wünsche zu formulieren ist zu einem guten Einstieg für Familienferien geworden.

 

Zum Versöhnungsprozess mache ich folgende Feststellung: Es tauchen vermehrt positive Erinnerungen an die Personen, an die ich Versöhnungsbriefe gerichtet habe, auf. Mir ist bewusster in welchen Herausforderungen diese Menschen gelebt haben und in mir ist Achtung vor ihnen, aber auch vor anderen Menschen gewachsen.

 

Die Sätze der Selbstwertübung laut auszusprechen gehörte ja immer wieder zu unseren Aufgaben. Als ich damit begann, wollten meine Gefühle mir das Gegenteil weise machen.

Heute stelle ich in meinen Gefühlen mehrheitlich eine Übereinstimmung fest und es gelingt mir manchmal auch meine Kinder mit diesen Sätzen zu ermutigen.

Ein ganz besonderer Höhepunkt war das Fest, das wir als Abschluss miteinander feiern durften. Einem wunderschönen Blumenstrauss gleich, reihten sich die Beiträge aneinander und die positiven Veränderungen, die jede Frau erlebt hatte, spiegelten sich in den strahlenden Gesichtern wieder.

Ich bin dankbar, dass ich mich für diese Therapie entschieden habe, was wir in der Begleitgruppe behandelt haben wirkt positiv nach.

Gerne empfehle ich die Arbeit von AGAPA weiter, denn auch ich bin durch die Empfehlung

einer Freundin auf diese Therapie aufmerksam gemacht worden.

 

A.M, AGAPA Herbst 2011

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